Ein zweisprachiges Kind großziehen – das Erfolgsgeheimnis

E and N

Adam Beck

Japanische KalligraphieDieses mit Tinte gemalte Bild des japanischen Kalligraphiekünstlers Ryujin Kobayashi vermittelt das entscheidende Erfolgsgeheimnis, wenn es darum geht, Kinder so zu erziehen, dass sie aktiv zwei Sprachen verwenden.

Im Japanischen wird das Zeichen als „en" ausgesprochen und kann auf Deutsch etwa mit „Bestimmung" übersetzt werden. Bezogen auf den Weg der Mehrsprachigkeit schlage ich vor, dass die Bestimmung jeder Familie in den zwei einfachen Buchstaben des „en" verwurzelt ist: das „E" von Erleben und das „N" von Notwendigkeit.

Es ist doch so: diese zwei „Kernbedingungen" – Erleben und Notwendigkeit – sind das Herzstück für mehrsprachigen Erfolg. Die erste Bedingung, reichlich Anregung in einer Sprache zu bekommen – sie zu erleben – ist wie ein Treibstoff, der einen ordentlichen und stetigen Fortschritt in überhaupt einer Sprache erst ermöglicht. Wenn ein Kind eine Sprache nicht ausreichend hört, entwickelt es vielleicht zu einem bestimmten Grad passive Fähigkeiten, wird aber nicht in der Lage sein, die Sprache aktiv zu sprechen.

Während das Erleben von Sprache universell ist – eine Voraussetzung für jede Familie mit einem mehrsprachigen Ziel – braucht es im Allgemeinen auch die zweite Bedingung: Notwendigkeit. Wenn ein Kind keine Notwendigkeit wahrnimmt, die zu Hause gesprochene Minderheitssprache aktiv zu sprechen, weil es mit anderen in der Mehrheitssprache kommunizieren kann, unterwandert diese nicht vorhandene Notwendigkeit häufig die Motivation des Kindes, die Minderheitssprache zu verwenden.

Eine Ausnahme zu dieser allgemeinen „Regel" scheint zu sein, wenn Eltern mit einer Minderheitssprache in der Lage sind, ihre Kinder von klein auf darauf zu „konditionieren", in dieser Sprache zu kommunizieren, selbst wenn die Eltern offensichtlich auch Kenntnisse der Mehrheitssprache besitzen. Anders ausgedrückt wird durch diese wahrgenommene Notwendigkeit die Eltern-Kind Bindung in der Minderheitssprache ausgeprägt und das Kind gewöhnt sich daran, weiterhin die Sprache aktiv zu verwenden.

Wenn Kinder die Minderheitssprache nicht so aktiv verwenden, wie es sich die Eltern wünschen würden, kann dieses Problem meistens auf Mängel in den beiden Bereichen Erleben und Notwendigkeit zurückgeführt werden. Ist der Input in der Minderheitssprache nicht ausreichend, sind Kinder nicht in der Lage, entspannt und selbstbewusst in deren Gebrauch hineinzuwachsen. Und wenn die kommunikative Notwendigkeit für die Minderheitssprache fehlt, wird der Anteil der Mehrheitssprache weiter ausgebaut. Kinder sind vor allem einfach pragmatisch, wenn sie auf ihre stärker ausgebaute Sprache setzen, um zu kommunizieren – besonders in Situationen, in denen es aus ihrer Perspektive keinen wirklichen Grund gibt, dies nicht in dieser stärkeren Sprache zu tun.

Um die aktiven Sprachfähigkeiten zu unterstützen, konzentriere ich mich in meiner Arbeit mit mehrsprachigen Familien – wie z.B. in den Beratungen, die ich so gern über HaBilNet durchführe – seit Jahren ganz bewusst auf diese „Kernelemente", indem ich die folgende zentrale Frage stelle:

Auf welche Weise können Eltern das Erleben stärken und die Notwendigkeit vergrößern, um einen größeren Fortschritt für ihre Kinder auf längere Sicht und einen zufriedenstellenderen, lang anhaltenden Erfolg über die Kindheitsjahre hinweg zu ermöglichen?

Während jede Familie anders ist und damit die Antworten zu dieser Frage stark variieren, ist die Frage selbst die gleiche, ausschlaggebende Herausforderung, mit der alle Eltern auf ihrer mehrsprachigen Reise konfrontiert werden. Da sich diese Reise mit der Zeit stetig verändert, ist es außerdem eine Frage, die immer und immer wieder beantwortet werden muss – mit neuen Antworten, so wie die Umstände es verlangen.

Das Geheimnis zum mehrsprachigen Erfolg ist daher einfach: Familien müssen die beiden „Kernbedingungen" zufriedenstellend erfüllen – Erleben und Notwendigkeit. In diesem Sinne scheint das, was zu tun ist, einfach genug, doch je nach Situation kann die Art und Weise, wie es zu tun ist, tatsächlich herausfordernd sein. Und dennoch, liebe Eltern, durch Eure fortlaufenden Anstrengungen, effektiv diese beiden Bedingungen so gut Ihr könnt zu erfüllen, Tag für Tag und Jahr für Jahr, werdet Ihr den sich immer ausweitenden Erfolg – die immer näher kommende Bestimmung – Eures Wegs der Mehrsprachigkeit erleben.

About the Author

Adam Beck ist aktives HaBilNet Mitglied und Berater. Er ist der Autor von "Maximize Your Child's Bilingual Ability" und "I WANT TO BE BILINGUAL!" und der Gründer des Blogs Bilingual Monkeys und des Forums The Bilingual Zoo. Adam lebt in Hiroshima, Japan.

HaBilNet möchte Ryujin Kobayashi für die Erlaubnis danken, dieses Bild für den Blogartikel zu verwenden.
Englisches Original von Adam Beck. Übersetzt ins Deutsche von Nina Schwöbel.

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