Antworten auf die drei häufigsten Fragen von Eltern zur zweisprachigen Erziehung: FAQs aus der HaBilNet-Beratung mit Janice Nakamura & Annick De Houwer

Nina Schwöbel, Annick De Houwer & Janice Nakamura

Die HaBilNet-Webseite bietet Inhalte für alle, die sich für harmonische Mehrsprachigkeit in der Kindererziehung interessieren, seien es Forschende, Erzieher:innen, Lehrkräfte, und natürlich Eltern. Um Familien wissenschaftlich fundiert beraten zu können, bietet HaBilNet kostenlose Beratungen an.
Viele Familien haben klare Vorstellungen davon, welche Sprachkenntnisse sie ihren Kindern vermitteln möchten. Oft sind die Eltern jedoch überrascht, wie herausfordernd es sein kann, die Sprachziele zu erreichen, die sie sich für ihre Familie gesetzt haben. Wenn es darum geht, ein Umfeld zu schaffen, das für alle Familienmitglieder gut funktioniert, gibt es verschiedene Faktoren zu beachten. So sind zum Beispiel die Gefühle wichtig, die eine Sprache beim Hören und Sprechen in Menschen auslöst, und is est wichtig zu verstehen, warum diese Gefühle auftreten.
In einem HaBilNet-Beratungsgespräch können Eltern oder andere Familienmitglieder spezifische Fragen besprechen und/oder ihre aktuelle Situation schildern, um zu analysieren, ob sie für sich auf dem richtigen Weg sind. Gemeinsam können sie in der Beratung Strategien entwickeln und Vorgehensweisen erarbeiten, um so zufriedener damit zu werden, wie sie in ihrer Familie mit ihren Sprachen umgehen.
Nach mehr als 200 Beratungsgesprächen mit Eltern möchten wir die drei am häufigsten gestellten Fragen mit Ihnen teilen und Ihnen die Ratschläge vorstellen, die die HaBilNet-Beraterinnen Janice Nakamura und Annick De Houwer als Antwort darauf gegeben haben. Wir hoffen, dass dies unseren Leserinnen und Lesern helfen kann. Sollten Sie jedoch ausführlichere Antworten benötigen oder weitere Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, ein Beratungsgespräch anzufragen.

Frage Nr. 1:
Wie kann ich eine Sprache fördern, wenn sie nicht die Schulsprache meines Kindes ist?

Die Qualität und Quantität der Sprache, die Kinder umgibt, d.h., der Input, spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung der Sprachentwicklung von Kindern. Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind Ihre Sprache erlernt, müssen Sie sich die Zeit nehmen, so viel wie möglich mit ihm zu sprechen.

Über die Autorinnen

Nina Schwöbel ist freiberufliche Linguistin (M.A. Angewandte Linguistik) und Angestellte Content- und Lernmedienmanagerin in Deutschland. Sie erstellt, übersetzt und adaptiert Inhalte für HaBilNet als aktives Mitglied.

 

Prof. Dr. Annick De Houwer ist Direktorin des Netzwerk für Harmonische Mehrsprachigkeit, HaBilNet, und war bis 2024 Präsidentin der International Association for the Study of Child Language. Bis Ende März 2021 war sie Professorin für Spracherwerb und Mehrsprachigkeit an der Universität Erfurt, Deutschland, und ist nun emeritiert.

 

Prof. Dr. Janice Nakamura ist HaBilNet Beraterin und unterstützendes HaBilNet Mitglied Sie forscht zu Mehrsprachigkeit, wohnt in Japan und ist Mutter eines zweisprachigen Teenagers, der in beiden Sprachen lesen und schreiben kann.

Im Folgenden finden Sie eine Liste von Aktivitäten und Vorgehensweisen, die Ihnen helfen können, eine Routine zu finden, die zu Ihrer Familiensituation passt:

  • Sprechen Sie so viel wie möglich mit Ihrem Kind, um den Input in der jeweiligen Sprache zu maximieren.
  • Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich mit Ihrem Kind (wählen Sie z.B. ein gemeinsames Hobby, bei dem viel gesprochen werden muss).
  • Suchen oder gründen Sie eine Spielgruppe mit Eltern, die Ihre Sprache sprechen.
  • Suchen Sie eine Kinderbetreuung, die die entsprechende Sprache mit Ihrem Kind sprechen kann. So steigt der Umfang und die Vielfältigkeit des Inputs in dieser Sprache.
  • Nehmen Sie Schülerinnen, Schüler oder Gäste auf, die Ihre Sprache gut sprechen und bereit sind, mit Ihrem Kind zu interagieren (vielleicht finden Sie Personen aus Ihrem Heimatland?).
  • Verwenden Sie taktile Bilderbücher oder nutzen Sie Lieder (mit begleitenden Bewegungen) und Kinderreime.
  • Lesen Sie Ihrem Kind regelmäßig in Ihrer Sprache vor – oder besser noch, machen Sie es sich zur Gewohnheit, täglich gemeinsam zu lesen. Beginnen Sie mit sehr kurzen Bilderbüchern, wenn Ihr Baby 2 Monate alt ist!
  • Sobald Ihr Kind im Grundschulalter ist, können Sie ihm das Lesen und Schreiben in Ihrer Sprache beibringen. Lese- und Schreibfähigkeiten erweitern die Sprachkenntnisse Ihres Kindes und ermöglichen ein selbständiges Lernen im höheren Alter.
  • Lassen Sie Ihr Herkunftsland oder Ihre Herkunftsregion in Ihrem Zuhause lebendig werden, indem Sie deren Traditionen und Bräuche pflegen.
  • Umgeben Sie Ihr Kind mit kulturellen Merkmalen, die mit Ihrem Herkunftsort und Ihrer Sprache verbunden sind.
  • Versuchen Sie, so oft wie möglich mit Ihrem Kind eine Region zu besuchen, in der Ihre Sprache weit verbreitet ist.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind Kindersendungen in Ihrer Sprache und schauen Sie sie gemeinsam an (wir empfehlen dies allerdings nicht für Kinder unter zwei Jahren: Bildschirmzeit ist nicht gut für kleine Kinder).
  • Vereinbaren Sie Videogespräche mit Großeltern oder anderen Verwandten, die Ihre Sprache sprechen. Sie können zusätzlichen Input in Ihrer Sprache liefern. Manche Großeltern lesen ihren Enkeln sogar über Zoom mit Hilfe von digitalen E-Books vor!

Reime

Auf dieser Website finden Sie einige Beispiele für Reime in verschiedenen Sprachen. Der Reim „pat-a-cake" ist der bekannteste englische Reim.

Bücher

Bei African Storybook finden Sie online Kinderbücher in vielen verschiedenen Sprachen.

Bei Bilingual Picturebooks finden Sie viele mehrsprachige Bilderbücher. Wenn Sie Lust haben, können Sie den Text anpassen, während Sie mit Ihrem Kind lesen.

Frage Nr. 2:
Mein Kind versteht die Sprache, die ich mit ihm spreche, antwortet aber in einer anderen Sprache – wie kann ich die Sprachwahl meines Kindes beeinflussen?

Kinder werden oft die Sprache wählen, in der sie sich leichter ausdrücken können. Sie können Ihr Kind durch die Art und Weise, wie Sie in einem Gespräch reagieren, durch sogenannte „Gesprächsstrategien", dazu bringen, mit Ihnen Ihre Sprache zu sprechen.

  • Ihr Kind antwortet nicht in der Sprache, in der Sie es ansprechen? Dann können Sie es ermutigen, in Ihre Sprache zu wechseln, indem Sie es mit dem Äußern einer Vermutung (im Original auf Englisch „Expressed Guess") bitten zu bestätigen, was es zuvor in der bevorzugten Sprache gesagt hat. Wenn Ihr Kind also beispielsweise „Jyuusu hoshii" auf Japanisch gesagt hat, Sie aber Deutsch mit ihm sprechen, wiederholen Sie auf Deutsch, was Ihr Kind auf Japanisch gesagt hat, aber eben als Frage. In diesem Fall ist das dann: „Willst du noch mehr Saft?". Es ist leicht für Ihr Kind, auf diese Gesprächsstrategie zu reagieren. Schließlich ist die geforderte Antwort in der Regel in die Frage eingebettet. Oft reicht es sogar aus, wenn Ihr Kind „ja" sagt, so dass es (in diesem Beispiel) nicht wirklich viel Deutsch sprechen muss. Allerdings haben Sie Ihrem Kind nun die Wörter vorgegeben, die ihm vielleicht für die selbstständige Äußerung noch fehlten.
  • Eine weitere Reaktion, die Ihr Kind im Sprachlernprozess weiterbringt, ist die Gesprächsstrategie Minimales Verständnis (im Original auf Englisch „Minimal Grasp"). Im Grunde stellen Sie hier eine Frage zur Klärung. Nach der japanischen Aufforderung „Jyuusu hoshii" Ihres Kindes fragen Sie beispielsweise einfach: „Wie bitte?". Diese Frage fördert den aktiven Gebrauch der deutschen Sprache, da Ihr Kind selbst auf die passende deutsche Antwort kommen muss (Sie können in diesem Beispiel natürlich Deutsch durch jede andere Sprache ersetzen).
  • Die Aufforderung zum Übersetzen ( im Original auf Englisch „Request to Translate" ) ist die eindeutigste Strategie. Sie fordern Ihr Kind auf, in die bevorzugte Sprache zu wechseln, indem Sie z.B. sagen: „Wie sagt Mama/Papa das?" (Sie finden ausführlichere Beschreibungen in den englischsprachigen Publikationen am Seitenrand).

Wenn Sie von Anfang an regelmäßig eine Mischung aus diesen drei Arten der Gesprächsführung verwenden und viel mit Ihrem Kind sprechen (siehe Frage 1), wird Ihr Kind bald lernen, Ihre Sprache mit Ihnen zu sprechen.

Häufig achten Eltern jedoch nicht so sehr auf die Sprache, die ihr Kind spricht. Sie sind oft selbst mehrsprachig und verstehen ihr Kind, unabhängig von der Sprachwahl.

  • Eltern antworten oft einfach in der Sprache, in der sie am liebsten mit ihrem Kind sprechen. Dieses Weiterführen des Gesprächs (im Original auf Englisch „Move-on") ohne Unterbrechung signalisiert Ihrem Kind, dass Sie seine Verwendung der anderen Sprache akzeptieren. Dies kann zu dauerhaften „mehrsprachigen" Gesprächen führen, bei denen jede Partei eine andere Sprache spricht.
  • Es kann sogar vorkommen, dass Eltern einen Sprachwechsel (im Original auf Englisch „Code-Switching") vornehmen und das Gespräch dann in der vom Kind verwendeten Sprache fortgeführt wird. Wenn Sie dem Beispiel Ihres Kindes folgen, erwecken Sie den Eindruck, dass Ihre Sprache nicht verwendet werden muss. Außerdem wird dadurch die Menge der Äußerungen, die Ihr Kind in Ihrer Sprache hört, reduziert, was zu weniger Lernmöglichkeiten führt.

Die Gesprächsstrategien Weiterführen des Gesprächs und Sprachwechsel fördern nicht die Verwendung der von Ihnen bevorzugten Sprache durch Ihr Kind. Die besten Möglichkeiten, Ihr Kind zu ermutigen, Ihre Sprache im Gespräch zu verwenden, sind vielmehr die Strategien Äußern einer Vermutung, Minimales Verständnis und Aufforderung zum Übersetzen.

Eltern können Sätze und Wörter ihres Kindes auch in ihrer eigenen Sprache übersetzen. Diese Gesprächsstrategie der übersetzten Wiederholung (im Original auf Englisch „Repetition") kann Ihr Kind ermutigen, die Wörter ebenso in Ihrer Sprache zu wiederholen. Allerdings kann es auch sein, dass Ihr Kind das als optional ansieht. In jedem Fall liefert diese Strategie der Erwachsenen einen größeren Wortschatz für zukünftige Gespräche.

Damit Sie ermutigende Gesprächsstrategien anwenden können, müssen Sie sich bewusst werden, welche Sprache Ihr Kind gerade spricht. Spricht Ihr Kind mit Ihnen Ihre Sprache oder eine andere? Sie werden sich bald darauf einstellen können, welche Sprache Ihr Kind normalerweise mit Ihnen spricht, auch wenn es noch sehr jung ist. Sobald Ihr Kind kurze Sätze spricht, sollten Sie anfangen, ermutigende Gesprächsstrategien anzuwenden. Und sobald Sie ermutigende Strategien anwenden, ist es wichtig, dass Sie dabei konsequent und entschlossen sind. Das mag am Anfang etwas schwierig sein. Aber wenn Ihr Kind erst einmal verstanden hat, dass von ihm erwartet wird, innerhalb eines Gespräches dieselbe Sprache wie Sie zu sprechen, und dass es die Wörter in Ihrer Sprache, die es dazu braucht, kennt, wird es sich schnell daran gewöhnen.

Hier sind einige weitere Tipps, wie Sie die Verwendung Ihrer Sprache durch Ihr Kind fördern können:

  • Wenn Sie Ihr Kind dafür loben, dass es Ihre Sprache spricht, kann es ihm helfen, sich seiner Sprachwahl immer mehr bewusst zu werden. Das hilft!
  • Eine Handpuppe, die nur Ihre Sprache spricht und mit der Sie sich unterhalten, ist ein Modell für eine Unterhaltung in Ihrer Sprache, die Ihr Kind beobachten und von der es lernen kann. Sie signalisiert auch, dass Ihre Sprache Spaß macht.
  • Eine Möglichkeit, Ihrem Kind zu helfen, die Wörter zu lernen, die es in allen Familiensprachen braucht, ist, es zu ermutigen, Fragen zu stellen wie „Wie sagt Mama das?" oder „Wie heißt das auf Englisch, Papa?".

Versuchen Sie, nicht zum Sprachvermittler Ihres Kindes zu werden, wenn beispielsweise die Großmutter oder andere Personen, die Ihre Sprache sprechen, zu Besuch kommen: Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, sich in der Sprache der Großmutter auszudrücken, und bitten Sie die Großmutter, Ihr Kind zu ermutigen, auch wenn die Kommunikation anfangs etwas schwierig sein mag. Wenn Sie mit Ihrem ersten Kind eine funktionierende Routine einführen, legen Sie den Grundstein für alle weiteren Kinder, die folgen werden!

Wie wichtig es ist, das Bedürfnis zu wecken, eine Sprache zu sprechen, lesen Sie in unserem Blog-Artikel Dies ist das Erfolgsgeheimnis bei der Erziehung eines zweisprachigen Kindes.
Sie können sich auch zwei kurze englischsprachige Videos von den prominenten Mehrsprachigkeitsforschern Prof. Adam Winsler (HaBilNet-Beiratsmitglied, Video) und Prof. Simona Montanari (Video) anschauen. In den Videos wird betont, dass Eltern, die möchten, dass ihre Kinder ihre Sprache sprechen, das Bedürfnis der Kinder wecken müssen, diese Sprache zu verwenden.

Frage Nr. 3:
Wie kann ich die Mehrsprachigkeit meines Kindes in verschiedenen Lebensphasen am besten fördern, z. B. als Baby oder zu dem Zeitpunkt, an dem mein Kind in die Kindertagesstätte oder (Vor-)Schule kommt?

Sprache spielt schon sehr früh im Leben eine Rolle – schon vor der Geburt. Babys reagieren unterschiedlich auf Sprachen, die sie während der Schwangerschaft gehört oder nicht gehört haben. Es ist also sinnvoll, mit der Mehrsprachigkeit so früh wie möglich zu beginnen! Da es sich jedoch um eine Entwicklung handelt, werden sich die Routinen ändern (müssen), wenn Ihr Kind älter wird.

Wie man Babys unterstützt:
Eine bestimmte Art und Weise, mit Ihrem Baby zu sprechen (das so genannte kindgerechte Sprechen), erleichtert Ihrem Baby den Einstieg in die Sprache.
Am besten ist es, folgende Punkte zu beachten:

  • Sprechen Sie mit höherer Stimme, wenn Sie Ihr Baby ansprechen.
  • Verwenden Sie eine übertriebene Mimik, wenn Sie mit Ihrem Baby sprechen.
  • Sprechen Sie relativ langsam.
  • Machen Sie ziemlich lange Pausen zwischen den Sätzen.
  • Verwenden Sie kurze und einfache Sätze.
  • Wiederholen Sie Teile von Sätzen.
  • Betonen Sie wichtige Wörter.
  • Artikulieren Sie sehr deutlich.

Mehr dazu erfahren Sie in diesem englischsprachigen Video ab Minute 14.

Viele Menschen sprechen automatisch so, wie oben beschrieben, mit ihrem Baby und können dies vor allem dann tun, wenn sie ihre eigene Erstsprache (oder ihre beiden Erstsprachen) mit ihrem Kind sprechen. In einer Sprache, die für sie eine echte Fremdsprache ist, ist das schwierig.

Sobald Ihr Baby Anzeichen von Sprachverständnis zeigt, wird es sehr wichtig, Ihr Kind in kurze „Gespräche" zu verwickeln, in denen Sie das „echte" Sprechen übernehmen, Ihr Baby aber mit nonverbalen Mitteln antwortet, z. B. aufgeregt mit den Beinen schlägt, lächelt, winkt und dergleichen. Sie werden bald lernen, sich auf Ihr Baby einzustellen und sich an die wachsende Sprachentwicklung Ihres Kindes anzupassen.

Wenn Babys zu Kleinkindern, Vorschulkindern und Grundschulkindern werden:
Je älter Ihr Baby wird, desto weniger werden Sie die typischen Merkmale des kindlichen Sprechens verwenden. Zusätzlich zu dem, was wir in den Antworten auf die Fragen 1 und 2 oben vorschlagen, gibt es noch folgende Dinge zu beachten.
Irgendwann kann es passieren, dass Ihr Kind plötzlich nicht mehr mit Ihnen Ihre Sprache spricht. Dies geschieht häufig an den wichtigsten Übergängen im Leben des Kindes, d. h. wenn es in die Vorschule oder in die Grundschule kommt. Wir raten Ihnen, in dieser Zeit besonders wachsam zu sein und den Kindern in diesen Momenten besondere Aufmerksamkeit in Ihrer Sprache zu schenken. Auf diese Weise können Sie verhindern, dass Ihr Kind zu einer rezeptiven Mehrsprachigkeit übergeht (bei der es Ihre Sprache zwar weiterhin versteht, aber nicht mehr spricht).
Es ist wichtig, Ihr Kind weiterhin zu motivieren und zu ermutigen, Ihre Sprache zu sprechen. Wenn Sie können, umgeben Sie es mit Menschen, die der Mehrsprachigkeit positiv gegenüberstehen und Ihr Kind dafür loben, dass es zwei Sprachen spricht. Das gibt Ihrem Kind das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, und stärkt sein Selbstvertrauen. Suchen Sie nach lustigen Aktivitäten in Ihrer Sprache. Wenn es in Ihrer Nachbarschaft Familien gibt, die Ihre Sprache sprechen, versuchen Sie, mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Wenn Ihr Kind eine positive Einstellung zu all seinen Sprachen erfährt, wird dies die positive Entwicklung einer mehrsprachigen und vielleicht auch mehrfachigen kulturellen Identität sehr unterstützen. Wenn Ihr Kind älter wird, möchten Sie vielleicht Gespräche darüber führen, wie die Sprachen in Ihrer Familie verwendet werden und warum Sie beide Sprachen für wichtig halten.
Vielleicht stellen Sie fest, dass Ihre Kinder nur in der Schulsprache miteinander kommunizieren, obwohl sie fließend mehrsprachig sind. Machen Sie sich keine Sorgen – es ist typisch, dass Mehrsprachige ihre Sprachen in unterschiedlichen Situationen verwenden.

HaBilNet-Direktorin Annick De Houwer rät Eltern, sich am Nachmittag der ersten (Vor-)Schulwoche ihrer Kinder frei zu nehmen. Dies ermöglicht es den Eltern, sich voll und ganz auf die Kinder einzulassen, wenn sie von der (Vor-)Schule nach Hause kommen. Die Kinder werden müde sein und die Schulsprache im Kopf haben. Geben Sie ihnen am besten die Möglichkeit, über ihren Tag in der Schulsprache zu sprechen, wenn sie das möchten, und sorgen Sie dafür, dass sie sich ausruhen und etwas trinken oder essen können. Nachdem sich die Kinder beruhigt haben, beginnen Sie ein Gespräch über ihren Schultag in Ihrer Sprache und halten Sie Wörter über die Schule bereit, die die Kinder vielleicht nicht in Ihrer Sprache kennen. Bitten Sie die Kinder, sich diese Wörter zu merken, damit sie Ihnen am nächsten Tag in Ihrer Sprache von ihrem Tag erzählen können. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Kind ermutigen und tadeln Sie es nicht, wenn es mit Ihnen in der Schulsprache spricht, auch wenn es das noch nie getan hat! Wenn Sie sich besonders bemühen, Ihr Kind zu ermutigen, in Ihrer Sprache über den Schultag zu sprechen, kann das den entscheidenden Unterschied ausmachen, ob Ihr Kind Ihre Sprache weiterhin mit Ihnen verwendet.

Wie HaBilNet-Direktorin Annick De Houwer wiederholt festgestellt hat (z. B. in diesem kostenlosen Artikel), ist das, was in der (Vor-)Schule geschieht, von entscheidender Bedeutung für den weiteren Gebrauch der Nicht-Schulsprache durch mehrsprachige Kinder. Es ist sehr hilfreich, wenn Fach- und Lehrkräfte eine offene und respektvolle Haltung gegenüber Ihrer Sprache zeigen und wenn es in der (Vor-)Schule Aktivitäten gibt, die ein aktives Interesse an allen Sprachen darstellen, die die Kinder in den Unterricht mitbringen. Als Eltern sollten Sie mit den Fach-/Lehrkräften der (Vor-)Schule Ihres Kindes darüber sprechen, wie wichtig Ihre Sprache für Ihre gesamte Familie ist und wie die (Vor-)Schule die Sprachen aller Kinder unterstützen kann. Hier finden Sie einen Artikel mit Ideen dazu, den Sie den Fach-/Lehrkräften zeigen können.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eltern und andere Familienmitglieder, die an einer HaBilNet-Beratung teilgenommen haben, besonders daran interessiert waren, (1.) wie sie ihre Kinder beim Erlernen ihrer (Nicht-Schul-)Sprache unterstützen können, (2.) wie sie sicherstellen können, dass Kinder in der gleichen Sprache antworten, in der sie von ihren Eltern angesprochen werden, und (3.) wie sie Kinder in den verschiedenen Lebensphasen, von der Geburt bis zur Schule, unterstützen können. Die Antworten unserer Beraterinnen auf die Fragen der Eltern zogen sich wie ein roter Faden durch: Es ist von entscheidender Bedeutung, ein positives Umfeld für Kinder zu schaffen, das ihnen zeigt, wie wichtig alle ihre Sprachen sind.

Unabhängig davon, ob Sie sich eine oder alle Fragen angeschaut haben, hoffen wir, dass Sie etwas aus den Antworten und zusätzlichen Ressourcen mitnehmen konnten. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Gute auf Ihrem Weg zur harmonischen Mehrsprachigkeit.

In zwei Sprachen lesen und schreiben lernen

Ja, es ist wichtig viel mit Kindern in beiden Sprachen zu sprechen, um deren Zweisprachigkeit zu unterstützen. Aber was ist eigentlich mit Lesen und Schreiben in zwei Sprachen? Erfahren Sie mehr im Blogartikel von HaBilNet Mitglied und Beraterin Janice Nakamura.

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